08.10.26
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sehstern, Wolfsgangstraße 82, Frankfurt
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Was geschieht, wenn Klang auf sich selbst zurückwirkt – und wenn Kunst ihren eigenen Betrieb zum Material macht? Zwei Arbeiten des Konzertabends…

Heyduck: 4DT-2, Augst: Selbstbeschreibung

Was geschieht, wenn Klang auf sich selbst zurückwirkt – und wenn Kunst ihren eigenen Betrieb zum Material macht? Zwei Arbeiten des Konzertabends bewegen sich an unterschiedlichen Punkten zwischen Musik, bildender Kunst, Sprache und Elektronik und verbindet dabei ein gemeinsames Interesse an Rückkopplung, Transformation und Selbstreferenzialität.

Mit 4DT-2 präsentiert Nikolaus Heyduck eine Hommage an den Elektronikpionier David Tudor. Drone, Noise und Feedback treffen auf selbstgebaute Klangerzeuger und Resonanzobjekte. Heyducks Auseinandersetzung mit Tudor reicht bis zu einem Konzert des Komponisten 1990 in München zurück und führte unter anderem zu einer Lecture-Performance bei den Darmstädter Ferienkursen 2012 und zur Studie 4DT. Die aktuelle Fassung 4DT-2 verbindet Anregungen aus Tudors Pulsers mit dem Konzept der Klangobjekte aus Rainforest und erweitert dieses Material durch Improvisation mit Aufnahmen aus Heyducks „Elektronischem Klang-Tagebuch“ sowie durch live-elektronische Bearbeitung. 

In SELBSTBESCHREIBUNG von Oliver Augst und Michael Riedel wird dagegen der Kunstbetrieb selbst zum Klangmaterial. Texte, Namen, Begriffe, Geldbeträge, Gesprächsfetzen und Aufnahmen aus Riedels künstlerischem Umfeld werden durch Computerstimmen gesprochen, gesungen und kompositorisch collagiert. Ausgangspunkt war Riedels gleichnamige Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig. Aus den dort entstandenen Klangarbeiten entwickelte Augst ein Hörspiel, in dem die Sprache des Kunstbetriebs zu Rhythmus, Sound und musikalischer Struktur wird.

Das 2021 als Hörspiel des Monats ausgezeichnete Werk entfaltet so ein „subjektives Wörterbuch des Kunstbetriebs“: Materialien, die ursprünglich Kunst dokumentieren, kommentieren und beschreiben, werden selbst zu einer künstlerischen Form. Unter anderem kommen Aufnahmen aus Ausstellungseröffnungen, Telefongesprächen und der Frankfurter „Freitagsküche“ sowie Texte aus Riedels Katalogen zum Einsatz. Auch Hanns Eislers Oh endless is this misery wird in die Collage einbezogen.

Zwei sehr unterschiedliche Formen künstlerischer Selbstbeobachtung treffen damit aufeinander: Heyduck erforscht die Rückkopplung als physikalischen und musikalischen Prozess; Augst und Riedel verwandeln die Kommunikationsformen des Kunstbetriebs in ein akustisches System. Aus elektronischer Resonanz und sprachlicher Wiederholung entsteht ein Abend über die Frage, wie Material durch seine eigene Verarbeitung neue Bedeutungen und Formen hervorbringt.